Gemeinde Kappel-Grafenhausen - Leben in Rheinkultur

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22KW_Rheinaue_PferdeAuf großes Interesse stieß die Einladung zur Begehung der Rheinaue. Mehr als 40 Interessierte durfte Bürgermeister Jochen Paleit diesen Montag begrüßen, um vor Ort zum einen über das Projekt Wilde Weiden Taubergießen und zum anderen über mögliche zukünftige Ökokontomaßnahmen im Bereich der Rheinaue zu informieren. Wilde Weiden Taubergießen: Seit kurzem grasen auf den Wilden Weiden im Naturschutzgebiet Taubergießen drei graue Vierbeiner zwischen den rotbraunen Salers-Rindern: Zwei Konik-Stuten und ein Konik-Fohlen ergänzen die Rinderherde (wir berichteten). Die urwüchsigen Rinder und die Wildpferde zeugen von einer Zeit, in der noch nicht der Mensch die Landschaft gestaltete, sondern Auerochse, Wisent, Elch und Wildpferd dies taten. Diese Großwildarten sorgten einst für Lücken im dichten europäischen Wald; sie schufen die halboffene Landschaft – und da wolle man mit den „Wilden Weiden Taubergießen“ wieder hin, erklärte Regina Ostermann, Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) Ortenaukreis, der die Koordination des auf der deutschen Rheinauenseite einmaligen Projektes obliegt. Ziel des Projektes ist, das Naturschutzgebiet durch eine Beweidung zu bereichern, damit sich eine naturnahe althergebrachte Aueweidelandschaft entwickelt. Abgesehen von der sich peu à peu einstellenden größeren Artenvielfalt mit ihren mannigfachen Vorteilen konnte sie bereits einen weiteren, „wunderbaren, positiven Effekt“ beobachten: Die Zurückdrängung von Neophyten, also von hier nicht heimischen Pflanzen; die Goldrute wurde schlichtweg abgefressen. Auch Jürgen Neumaier, der die Wilden Weiden von Seiten des Landwirtschaftsamtes begleitet, begrüßt das Projekt. Die „natürliche Herde“ in ihrem gut funktionierenden Familienverband ist für ihn Grund zur Freude. Die Salers-Rinder und die Koniks weiden im Bereich der Schollenhütte auf den Wiesen und in den angrenzenden Gebüsch- und Waldbereichen entlang der Elz. Zu den rund 20 Hektar sollen im Lauf des Jahres rund 10 Hektar landeseigener Fläche hinzukommen. Die Wilden Weiden Taubergießen sind ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Kappel-Grafenhausen, des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) Ortenaukreis und des Regierungspräsidiums Freiburg. Ökokontomaßnahmen im Bereich der Rheinaue: Dass die künftigen Flutungen durch den Rückhalteraum Elzmündung, für den die Gemeinde „vom Land mit einem großen Betrag entschädigt wurde“, wie Bürgermeister Paleit betonte, eine gute Gelegenheit für einen Waldumbau bieten, erklärte Jochen Bresch, Geschäftsführer des mit der Konzeption von Ökokontomaßnahmen beauftragten Büros Bresch Henne Mühlinghaus. Um Ökopunkte beispielsweise für ein künftiges Bau- oder Gewerbegebiet zu sammeln, soll ein Teil des gemeindeeigenen Waldes als Schonwald ausgewiesen werden. So können verschiedene Maßnahmen mit hohen Aufwertungspotenzial ins Auge gefasst werden, wie 22KW_Rheinaue_GruppeForstdirektor Bernhard Ihle vom Amt für Waldwirtschaft erläuterte. Im Rheinauewald bietet sich das Aufwerten von Kiesentnahmestellen, die Pflege von Kopfweiden, die Entwicklung lichter Eichen-Ulmen-Wälder und Mittelwälder sowie die Ausweisung von Altholzinseln an. Kopfweiden wie auch Mittelwälder stellen eine früher weitverbreitete Bewirtschaftungsform dar, die heute sowohl kulturhistorisch von Interesse ist als auch naturschutzfachlich besonders wertvoll. „Mit diesen Ökokontomaßnahmen in unserem Rheinauewald können naturschutzrechtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zukünftig weitgehend von unseren hochproduktiven Ackerflächen ferngehalten werden“, zählt Bürgermeister Jochen Paleit einen weiteren, entscheidenden Vorteil dieses auch mit der örtlichen Landwirtschaft abgestimmten Vorgehens auf.